Krieg. Macht. Flucht. Aufruf zum war starts here camp 2016

  1. bis 31. Juli 2016

am Gefechts-Übungs-Zentrum Altmark (GÜZ)
in 39 638 Potzehne

antimilitaristisch campen und handeln am GÜZ

Hunderttausende Menschen suchen Zuflucht in Europa vor Armut und Elend, vor Krieg und Folter. Niemand mehr kann hier die Augen verschließen vor den katastrophalen Folgen einer kapitalistischen Weltwirtschaft. Wir sind Teil davon. Anschläge auch in den hochentwickelten Industriestaaten machen deutlich: Die Schrecken, die der mächtige Norden in alle Welt exportiert, kehren jetzt – auch für uns spürbar – zu uns zurück. Die mühsam aufrecht erhaltene Fassade einer heilen Welt beginnt zu bröckeln.

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Wolf Wetzel: Thesen zum NSU-VS-Komplex

Zwischen den Jahren 2000 und 2006 wurden neun Morde an Menschen mit türkischen/griechischen Wurzeln begangen, die die Ermittlungsbehörden 2011 der neonazistischen Terrorgruppe „NSU“ (Nationalsozialistischer Untergrund) zuordnet haben. Das wurde lange, um genau zu sein, elf Jahre ganz anders gesehen: So lange nämlich wurden diese Morde als „Dönermorde“, also als Morde innerhalb eines „kriminellen Ausländermilieus“ ausgewiesen. Erst 2011, als zwei Mitglieder des NSU in einem Campingwagen Selbstmord begangen haben sollen, ein weiteres Mitglied (Beate Zschäpe) Videos verschickte, in denen die Morde in einen rassistischen Kontext gestellt wurden, wurden die Morde von offizieller Seite ‚umgebettet’. Während deutsche Behörden bis heute diese Morde zweifelsfrei dem NSU zuordnen, behaupten dieselben (also Polizei und Geheimdienst), dass sie 11 Jahre lang nichts von der Existenz eines neonazistischen Untergrundes gewusst haben wollen. Sie hätten weder eine „heiße Spur“ noch sonst welche Hinweise gehabt.

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Wolf Wetzel: Antiislamisismus in Zeiten permanenter Kriegsführung

Über verschleierten und unverschleierten Kapitalismus

Am 11.9.2001 wurde das World Trade Center in New York durch zwei entführte Linienflugzeuge zerstört. Am selben Tag beschädigte ein drittes entführtes Flugzeug Teile des amerikanischen Verteidigungsministeriums in Washington schwer. Bei diesen Terroranschlägen wurden ca. 3.000 Menschen ermordet. Wer sich auch immer auf dieser Ereignis und seine Folgen bezieht, spricht meist nur von ›9/11‹.

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Der Islam kannte keine Reformation und keine Aufklärung, so lautet ein gängiger Vorwurf. Dabei hatte der Islam beides gar nicht nötig. Sein Unglück war der Westen. Von Frank Griffel

Wenn im kommenden Jahr Luthers Reformation gefeiert wird, denken viele auch an
den Islam. Die Probleme moderner islamischer Gesellschaften werden häufig damit
erklärt, dass es im Islam keine Reformation und keine Aufklärung gab. Die
Aufklärung gilt dabei als Zurückdrängung der Religion und Stärkung einer davon
unabhängigen philosophischen Tradition. Nach dem Untergang der arabischen
Philosophie im Mittelalter fehle dem Islam ein Gegenpol zur Macht des Religiösen,
wird oft beklagt. Neue Ansätze in der Islamwissenschaft aber versuchen zu zeigen,
dass dem nicht so war, ja, dass es im Islam vor der Konfrontation mit dem
Kolonialismus nie eine Situation gab, in der – wie in Europa – Reformation und
Aufklärung nötig waren.

Gottverdammt modern

Warum der Islamismus nicht aus der Religion erklärt werden kann

Norbert Trenkle

Wie immer nach einem islamistischen Terrorakt, kreiste auch nach dem Massaker in der Redaktion von Charlie Hebdo und in dem jüdischen Supermarkt in Paris die öffentliche Debatte sogleich um die Frage, was denn nun „der Islam“ damit zu tun habe. Immerhin wurde diese Frage auf offizieller politischer Ebene und in den Massenmedien diesmal deutlich weniger aggressiv gestellt als bei vorangegangenen Anlässen. Es überwog der Tenor, die Gesellschaft dürfe sich nicht spalten lassen, und terroristische Gewalt sei von keinem religiösen Standpunkt aus zu rechtfertigen. Doch das klang ein wenig wie das berühmte Pfeifen im Walde. Denn es ist leider ziemlich klar, dass die Wahnsinnstaten von Paris Wasser auf die Mühlen des rassistischen und nationalistischen Fundamentalismus in ganz Europa sind, der immer lautstarker verkündet, der Islam sei seinem Wesen nach mit den Werten der „abendländischen Zivilisation“ nicht vereinbar und Muslime hätten daher hier nichts zu suchen.

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