Kurzvorstellung des Beitrages von Ernst Lohoff und Norbert Trenkle

Regressive Ideologien und kollektive Identitäten in Zeiten der Krise.

Der beschleunigte Krisenprozess des globalisierten Kapitalismus erzeugt eine tiefe Verunsicherung quer durch die gesamte Gesellschaft. Während immer mehr Menschen „überflüssig“ gemacht und in prekäre Lebensverhältnisse gestürzt werden, spitzen sich die gesellschaftlichen Widersprüche zu und die Politik agiert immer hilfloser angesichts der Vielzahl gleichzeitiger Krisenerscheinungen.

Aber auch die moderne Subjektivität bleibt von dieser Entwicklung nicht verschont. In der allgemeinen Desorientierung wuchern Verschwörungstheorien, regressive Identitätsangebote finden massenhaft Anklang und Feindbildkonstruktionen prägen den gesellschaftlichen Diskurs. Immer mehr Menschen suchen Zuflucht in imaginierten Gemeinschaften, die sich meist über nationalistische oder religionistische Identitäten definieren. Angesichts der empfundenen Ohnmacht gegenüber dem undurchschauten gesellschaftlichen Prozess, verschafft diese Identifizierung ein Gefühl der Stärke und Sicherheit. Damit verbunden ist immer auch eine polarisierte Freund-Feind-Bestimmung. Islamismus und Nationalismus sind in diesem Sinne zwei Seiten derselben Medaille. Was als „Kampf der Kulturen“ erscheint, ist in Wahrheit der Ausdruck einer ideologischen und subjektiven Polarisierung im kapitalistischen Krisenprozess, die zunehmend gewaltsamen Charakter annimmt. Gesellschaftliche Emanzipation setzt die radikale Kritik dieser gefährlichen, regressiven Entwicklung voraus.

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